Fertigungsressourcenplanung (MRP II): Ein praktischer Leitfaden für kleine Produzenten

Aleksander Nowak · 2026-02-20 · Branchenleitfäden

MRP II erklärt für kleine Hersteller. Was es bedeutet, wie es sich von MRP I unterscheidet, wann Sie es brauchen und wann einfachere Ansätze ausreichen.

Fertigungsressourcenplanung (MRP II): Ein praktischer Leitfaden für kleine Produzenten

Sie betreiben bereits Fertigungsressourcenplanung. Sie nennen es nur vielleicht nicht so.

Wenn Sie prüfen, ob genug Zutaten vorhanden sind, bevor Sie eine Charge starten, ist das Materialplanung. Wenn Sie herausfinden, ob Ihre Ausrüstung und Mitarbeiter einen Eilauftrag bewältigen können, ist das Kapazitätsplanung. Wenn Sie die Produktion um Liefertermine herum planen, ist das Produktionsplanung.

MRP II ist einfach der formale Name dafür, all diese Entscheidungen in einem System zu verbinden. Dieser Leitfaden erklärt, was Fertigungsressourcenplanung tatsächlich bedeutet, wie sie sich von der grundlegenden Materialplanung unterscheidet und wann sie für kleine Serienproduzenten sinnvoll ist.

Was ist Fertigungsressourcenplanung?

Fertigungsressourcenplanung (MRP II) ist ein System zur Koordination aller Produktionsanforderungen: Materialien, Ausrüstung, Arbeitskräfte und Zeit. Es beantwortet nicht nur die Frage Was brauchen wir?, sondern auch Können wir es tatsächlich herstellen, und wann?

Der Name enthält II, weil es sich aus einem früheren System namens Material Requirements Planning (MRP I oder einfach MRP) entwickelt hat. Der Unterschied ist wichtig:

MRP I fragt: Welche Materialien muss ich kaufen und wann?

MRP II fragt: Welche Materialien brauche ich, plus reicht die Maschinenkapazität aus, sind Mitarbeiter verfügbar, und kann ich realistisch pünktlich liefern?

MRP II verbindet Ihre Rezepturen, Bestände, Ausrüstung und Zeitpläne. Statt jedes Element einzeln zu verwalten, fließt alles zusammen.

Eine kurze Geschichte

Evolution: Von Tabellen zur Ressourcenplanung 1960er Tabellen Manuelle Erfassung 1970er MRP I Materialplanung 1980er MRP II + Kapazität + Arbeit 1990er+ ERP + Vertrieb, Finanzen, HR MRP I • Welche Materialien kaufen? • Wann bestellen? • Bestände + Rezepturen Für: Einfache Betriebe MRP II ★ • Alles aus MRP I, plus: • Schaffen wir es? (Kapazität) • Wer macht es? (Arbeit) Für: Kleine-mittlere Fertigung ERP • Alles aus MRP II, plus: • Vertrieb, Finanzen, HR • Unternehmensweite Integration Für: Unternehmen ab $5M+

Das Verständnis der Herkunft dieser Systeme erklärt, warum sie so funktionieren:

1960er-70er: Tabellen und Schätzungen. Hersteller verfolgten Materialien auf Papier oder frühen Computern. Planung bedeutete, dass erfahrene Manager fundierte Vermutungen anstellten.

1970er: MRP I entsteht. Computersysteme konnten endlich Materialbedarf basierend auf Aufträgen und Rezepturen berechnen. Revolutionär für seine Zeit, aber nur auf Materialien fokussiert.

1980er: MRP II entwickelt sich. Hersteller erkannten, dass Materialien allein nicht ausreichten. Sie fügten Kapazitätsplanung, Werkstattverfolgung und Finanzintegration hinzu. Das System konnte nun beantworten: Schaffen wir es? — nicht nur Was brauchen wir?

1990er bis heute: ERP erweitert sich. Enterprise Resource Planning fügte Vertrieb, HR, Buchhaltung und weitere Geschäftsfunktionen hinzu. MRP II wurde zu einem Modul innerhalb größerer Systeme.

Für kleine Hersteller heute lautet die Frage nicht, ob sie diese Konzepte nutzen sollen — das tun sie bereits. Die Frage ist, wie viel Formalisierung und Automatisierung sie brauchen.

Kernkomponenten

Diese Systeme umfassen typischerweise miteinander verbundene Elemente:

Hauptproduktionsplan

Was planen Sie zu produzieren und wann? Der Hauptplan definiert Ihre Produktionsziele — nicht in vagen Begriffen, sondern konkrete Mengen mit konkreten Terminen.

Beispiel: Ein Hautpflegehersteller könnte planen: - Woche 1: 200 Einheiten Gesichtscreme, 150 Einheiten Körperlotion - Woche 2: 300 Einheiten Gesichtscreme, 100 Einheiten Serum - Woche 3: 250 Einheiten Gesichtscreme, 200 Einheiten Körperlotion

Dieser Plan steuert alles andere. Ändern Sie den Plan, und Materialbedarf, Kapazitätsanforderungen und Einkauf verschieben sich entsprechend.

Stücklisten (Rezepturen)

Was geht in jedes Produkt? Stücklisten definieren Zutaten und benötigte Mengen. Für Serienproduzenten ist dies Ihre Rezeptur oder Formel.

Beispiel: Gesichtscreme (pro 100 Einheiten): - 2 kg Sheabutter - 1,5 kg Kokosöl - 500 g Bienenwachs - 200 ml Duftöl - 100 Tiegel mit Deckeln - 100 Etiketten

Das System multipliziert diese Anforderungen mit Ihrem Produktionsplan, um den Gesamtmaterialbedarf zu berechnen.

Bestandsstatus

Was haben Sie vorrätig? Aktuelle Bestände, eingehende Lieferungen und reservierte Materialien fließen alle in die Planung ein. Wenn Sie nächste Woche 6 kg Sheabutter brauchen, aber nur 4 kg haben, signalisiert das System den Engpass.

Kapazitätsplanung

Können Ihre Ausrüstung und Mitarbeiter den Plan bewältigen? Hier geht MRP II über die grundlegende Materialplanung hinaus.

Beispiel: Ihr Produktionsplan sieht 500 Einheiten nächste Woche vor. Aber Ihre Mischanlage kann nur 100 Einheiten pro Tag verarbeiten, und Sie haben einen geschulten Bediener, der 5 Tage arbeitet. Maximale Kapazität: 500 Einheiten. Sie sind am Limit — jeder Eilauftrag würde Überstunden oder verlängerte Arbeitszeiten erfordern.

Kapazitätsplanung deckt Engpässe auf, bevor sie zu Krisen werden.

Werkstattsteuerung

Was passiert tatsächlich in der Produktion? Die Verfolgung von Halbfertigprodukten, abgeschlossenen Chargen und Ist- vs. Planzahlen hilft Ihnen, Zeitpläne basierend auf der Realität anzupassen, nicht auf Annahmen.

Einkaufsintegration

Wann sollten Sie Materialien bestellen? Basierend auf Ihrem Produktionsplan, aktuellem Bestand und Lieferantenvorlaufzeiten berechnet das System, wann Bestellungen aufzugeben sind, damit Materialien rechtzeitig eintreffen.

MRP II in Aktion: Ein praktisches Beispiel

Verfolgen wir, wie diese Komponenten für einen kleinen Kosmetikhersteller zusammenarbeiten.

Situation: Ein Einzelhändler bestellt 500 Tiegel Gesichtscreme zur Lieferung in 3 Wochen.

Schritt 1: Hauptplan prüfen Aktueller Plan sieht 200 Einheiten Gesichtscreme pro Woche vor. 500 Einheiten hinzuzufügen bedeutet entweder Erhöhung einer Woche oder Verteilung auf mehrere Wochen.

Entscheidung: 300 Extra in Woche 2, 200 Extra in Woche 3 produzieren.

Schritt 2: Materialbedarf berechnen Pro 100 Einheiten: 2 kg Sheabutter, 1,5 kg Kokosöl usw. Für 500 Extra-Einheiten: 10 kg Sheabutter, 7,5 kg Kokosöl usw.

Schritt 3: Aktuellen Bestand prüfen - Sheabutter: 8 kg vorrätig, 5 kg unterwegs = 13 kg gesamt. Bedarf 10 kg. ✓ - Kokosöl: 3 kg vorrätig, nichts bestellt. Bedarf 7,5 kg. ✗ Engpass! - Tiegel: 200 auf Lager. Bedarf 500. ✗ Engpass!

Schritt 4: Kapazität prüfen Woche 2 bereits zu 80% ausgelastet. 300 Einheiten hinzuzufügen bringt auf 140%.

Optionen: Überstunden, andere Produkte verschieben oder späteren Liefertermin verhandeln.

Schritt 5: Maßnahmen generieren - Sofort 5 kg Kokosöl bestellen (Lieferzeit: 5 Tage) - Sofort 300 Tiegel bestellen (Lieferzeit: 7 Tage) - Überstunden für Woche 2 einplanen oder 100 Einheiten auf Woche 3 verschieben

Ohne die Verbindung dieser Elemente könnten Sie den Auftrag annehmen und dann mitten in der Produktion feststellen, dass Materialien fehlen oder Sie physisch nicht genug rechtzeitig herstellen können.

MRP I vs. MRP II vs. ERP

Diese Begriffe werden oft verwechselt. So hängen sie zusammen:

Aspekt MRP I MRP II ERP
Fokus Nur Materialien Materialien + Ressourcen Gesamtes Unternehmen
Beantwortet Was kaufen? Was kaufen + schaffen wir es? Alle Geschäftsfragen
Umfasst Bestände, Rezepturen, Einkauf + Kapazität, Planung, Werkstatt + Vertrieb, Finanzen, HR, CRM
Komplexität Niedrig Mittel Hoch
Typische Nutzer Sehr kleine Betriebe Kleine-mittlere Hersteller Mittlere-große Unternehmen

Wann MRP I ausreicht: - Einzelprodukt oder sehr einfache Produktlinie - Keine Kapazitätseinschränkungen (Ausrüstung bewältigt jedes Volumen) - Sie sind der einzige Mitarbeiter (keine Personalplanung nötig) - Vorhersehbare, gleichmäßige Nachfrage

Wann Sie MRP-II-Konzepte brauchen: - Mehrere Produkte konkurrieren um dieselbe Ausrüstung - Kapazitätsgrenzen beeinflussen, was Sie zusagen können - Mehrere Mitarbeiter mit unterschiedlichen Fähigkeiten - Variable Nachfrage erfordert Plananpassungen

Wann vollständiges ERP sinnvoll ist: - Umsatz über $5M+ mit komplexen Abläufen - Mehrere Abteilungen brauchen integrierte Daten - Regulatorische Anforderungen an umfassende Nachverfolgung - Dediziertes IT-Personal für Implementierung und Wartung

Wann vollständige Planungssysteme überdimensioniert sind

Nicht jeder Produzent braucht formale Ressourcenplanungssysteme. Anzeichen, dass einfachere Ansätze ausreichen:

Ihr Engpass ist immer derselbe. Wenn eine Einschränkung dominiert (Sie können nur 50 Chargen/Woche produzieren, unabhängig von der Nachfrage), bringt aufwendige Kapazitätsplanung wenig Mehrwert.

Die Nachfrage ist vorhersehbar. Gleichmäßige Aufträge bedeuten gleichmäßige Produktion. Komplexe Planungstools helfen am meisten, wenn sich Dinge häufig ändern.

Sie stellen eine Sache her. Einzelprodukt-Unternehmen haben einfachere Planungsbedürfnisse als solche, die mehrere Produktlinien jonglieren.

Lieferzeiten sind kurz. Wenn Sie jedes Material innerhalb weniger Tage bekommen können, sind ausgefeilte Einkaufsberechnungen weniger wichtig.

Sie sind das gesamte Team. Einzelkämpfer kennen ihre eigene Kapazität intuitiv. Formale Systeme helfen mehr bei der Koordination mehrerer Personen.

Selbst in diesen Fällen bleiben die Konzepte hinter MRP II — die Verbindung von Materialien, Kapazitäten und Zeitplänen — wertvoll. Sie setzen sie vielleicht nur mit Tabellen statt dedizierter Software um.

Verbreitete Irrtümer

MRP II erfordert teure Unternehmenssoftware. Die Konzepte können in jeder Größenordnung umgesetzt werden. Wichtig ist die Verbindung der Informationen, nicht das Werkzeug. Leichtgewichtige Fertigungssoftware wendet MRP-II-Prinzipien ohne Unternehmenskomplexität an.

MRP II ist nur für große Fabriken. Das System wurde für Großhersteller entwickelt, aber die zugrunde liegende Logik — Koordination von Materialien mit Kapazitäten — gilt in jeder Größenordnung. Ein 3-Personen-Kosmetikunternehmen profitiert davon zu wissen, ob es einen Auftrag tatsächlich erfüllen kann, bevor es ihn annimmt.

Wir sind zu klein für formale Planung. Sie planen bereits. Die Frage ist, ob Ihr aktueller Ansatz Probleme früh genug erkennt. Wenn Sie jemals einen Auftrag angenommen haben, den Sie nicht erfüllen konnten, oder einen Materialmangel mitten in der Charge entdeckt haben — bessere Planung hätte geholfen.

Wie Krafte dies angeht

Krafte wendet MRP-II-Prinzipien in einem Format an, das für kleine Serienproduzenten entwickelt wurde.

Verbundene Planung: Ihre Rezepturen, Bestände und Aufträge sind miteinander verknüpft. Wenn Sie einen Produktionsauftrag erstellen, zeigt das System, ob ausreichend Materialien vorhanden sind.

Kapazitätsübersicht: Sehen Sie Ihre Produktionsauslastung und erkennen Sie Terminplanungskonflikte, bevor sie zu Problemen werden.

Automatische Berechnungen: Der Materialbedarf wird aus Ihren Rezepturen berechnet. Keine manuellen Tabellenformeln mehr zu pflegen.

Einkaufsintegration: Verfolgen Sie, was bei Lieferanten bestellt ist. Wissen Sie, wann eingehende Materialien relativ zu Ihrem Bedarf eintreffen.

Praktischer Maßstab: Sie erhalten die Koordinationsvorteile von MRP-II-Denken ohne Unternehmenskomplexität. Starten Sie in Tagen, nicht in Monaten.

Das Ziel ist nicht, eine formale MRP-II-Methodik zu implementieren. Sondern die benötigten Informationen zu verbinden, damit die Produktion reibungslos läuft.

Häufig gestellte Fragen

Wofür steht MRP II?

Manufacturing Resource Planning — Fertigungsressourcenplanung. Das II unterscheidet es vom früheren Material Requirements Planning (MRP I oder einfach MRP). MRP II fügt Kapazitätsplanung, Terminierung und weitere Ressourcen über Materialien hinaus hinzu.

Was ist der Unterschied zwischen MRP und MRP II?

MRP konzentriert sich nur auf Materialien: was kaufen und wann. MRP II erweitert sich auf alle Produktionsressourcen: Anlagenkapazität, Arbeitskräfteverfügbarkeit und Werkstattplanung. MRP II beantwortet die Frage Schaffen wir es?, während MRP nur Was brauchen wir? beantwortet.

Ist MRP II dasselbe wie ERP?

Nein. MRP II fokussiert sich auf Fertigungsabläufe. ERP (Enterprise Resource Planning) umfasst das gesamte Unternehmen: Fertigung plus Vertrieb, Finanzen, HR und weitere Funktionen. MRP II existiert oft als ein Modul innerhalb größerer ERP-Systeme.

Brauchen kleine Hersteller MRP II?

Das formale System? Oft nicht. Die Konzepte? In der Regel ja. Wenn Sie Materialien, Ausrüstung und Zeitpläne koordinieren — selbst informell — wenden Sie MRP-II-Denken an. Software hilft, wenn manuelle Koordination fehleranfällig oder zeitaufwendig wird.

Wie lange dauert die MRP-II-Einführung?

Enterprise-MRP-II-Systeme können Monate oder Jahre zur Einführung benötigen. Leichtgewichtige Fertigungssoftware, die dieselben Prinzipien anwendet, kann in Tagen oder Wochen betriebsbereit sein. Der Unterschied liegt in Umfang und Komplexität, nicht in den zugrunde liegenden Konzepten.

Welche Branchen nutzen MRP II?

Jede Branche, die Produkte aus Komponenten oder Zutaten herstellt: Lebensmittelproduktion, Kosmetik, Chemie, Elektronik, Möbel und unzählige weitere. Die spezifischen Berechnungen variieren, aber die Logik der Koordination von Materialien mit Kapazitäten gilt branchenübergreifend.


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